„Laetare“ – Freut euch!

 

Impuls zum 4. Fastensonntag 2020

 

Auszug aus dem heutigen Sonntagsevangelium (Joh 9,1-7)

 

1 „Unterwegs sah Jesus einen Mann, der seit seiner Geburt blind war.

2 Da fragten ihn seine Jünger: Rabbi, wer hat gesündigt? Er selbst oder seine Eltern, sodass er blind geboren wurde?

3 Jesus antwortete: Weder er noch seine Eltern haben gesündigt, sondern die Werke Gottes sollen an ihm offenbar werden.

4 Wir müssen, solange es Tag ist, die Werke dessen vollbringen, der mich gesandt hat; es kommt die Nacht, in der niemand mehr wirken kann.

5 Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt.

6 Als er dies gesagt hatte, spuckte er auf die Erde; dann machte er mit dem Speichel einen Teig, strich ihn dem Blinden auf die Augen

7 und sagte zu ihm: Geh und wasch dich in dem Teich Schiloach! Das heißt übersetzt: der Gesandte. Der Mann ging fort und wusch sich. Und als er zurückkam, konnte er sehen.

 

 

Genau wie die Jünger Jesu sind auch wir Menschen von heute. Wir müssen bei einem schlimmen Ereignis immer einen Schuldigen finden, auf den man zeigen kann, den man zur Rechenschaft ziehen kann, der letztens alles ausbaden muss.

 

Die schwere Zeit die wir heute alle durchleben bringt uns auch leicht in diese Position. Schuldige sind schnell ausgemacht. Erstens die Chinesen, warum müssen die Tiere essen die Träger dieses gefährlichen Virus sind oder ist das Virus vielleicht ja doch aus einem Forschungslabor ausgebrochen, warum muss man also an Biowaffen forschen. Dann die nächsten Fragen, warum müssen die Menschen heute soviel reisen um das Virus so schnell zu verbreiten oder warum haben Menschen so wenig Verständnis um sich selbst und andere zu schützen. Wir sehen also, dass wir so viele Fragen haben, die Schuldige ausmachen können.

 

Versuchen wir aber doch mal andersrum zu denken. Gott hat das zugelassen, egal wer daran schuld ist oder nicht. Gott hätte diesen Werdegang ja auch verhindern können, da er ja allmächtig ist. Aber nein, er hat all das zugelassen, um uns nochmals zu zeigen, dass er unseren freien Willen nicht einschränkt. Wir dürfen forschen, wir dürfen in die Natur eingreifen, wir dürfen reisen, wir dürfen so vieles tun, aber wenn was Schlimmes passiert, dann schreien wir zu Gott, warum er das zugelassen hat.

Welchen Grund, im Anbetracht der heutigen Situation, haben wir also denn noch um uns am heutigen „Laetare“-Sonntag zu freuen?

 

Wir dürfen uns erfreuen, an der Erkenntnis, dass wir Gott unseren Vater nennen dürfen. Dass wir uns ihm wie einem Vater nähern dürfen, dem wir all unsere Not klagen dürfen, den wir um Hilfe und Beistand bitten dürfen und von dem wir wissen, dass er immer an unserer Seite ist, auch wenn wir das oft nicht so empfinden und verstehen.

 

Die jetzige schwere Zeit stellt uns vor neue bisher unbekannte Herausforderungen. Rein menschlich denkend kann uns das an unsere Grenzen bringen und sogar zum Verzweifeln, aber wenn wir auf Gott vertrauen, dann tut sich uns ein neuer Horizont auf. Wir werden Wege finden und entdecken, die uns in unserem Herzen und im tiefsten unserer Seele Freude und Gottes Nähe erfahren lassen werden.

 

Pfarrvikar Reiner Debert